Das Herschelbad liegt in den Quadraten. Mannheims heutige Altstadt zwischen Rhein und Neckar wurde im 17. Jhd als Festung ausgebaut und hatte schnurgerade Straßen,
auf denen sich gut marschieren ließ. Später bekamen die nicht immer ganz quadratischen Häuserblocks Buchstaben-Kennungen. Neckarseitig finden wir die alte Badeanstalt in U3 am Herschelplatz. Die
langgestreckte sandsteinfarbene Fassade des Hauptbaus ist streng symmetrisch mit dominierendem Mittelrisalit als Eingangsportal. Im darüberliegenden Giebelfeld mit Tympanon ist ein Relief mit
Figuren der griechischen Mythologie.
„Unmut und Missgeschick sei fern diesem Ort, Stärkung und Freude trage jeder fort“, mit diesen Worten wurde das Herschelbad am 13. November 1920 eingeweiht.
Architekt Richard Perrey (1866-1937) hatte die Badeanstalt konzipert, der Mannheimer Stadtrat und Kaufmann Bernhard Herschel die Bausumme posthum in Form einer Stiftung um eine halbe Million Mark
aufgestockt. So konnte großzügig gebaut werden: nämlich ein Schwimmbad mit drei Hallen. Was aus heutiger Sicht fast schon diskriminierend klingt, war damals offensichtlich nicht anstößig: es gab
eine Männerhalle (I), eine Frauenhalle (II) und eine Volkshalle (III). Letztere unterschied sich in der Ausstattung und war deshalb insbesondere auch für Schulen und Schwimmvereine eine
kostengünstige Alternative.
Wir starten unsere kleine Tour durch das Bad in der Eingangshalle. Die hohen Säulen ringsum sind mit Marmorsockeln ausgestattet, ebenso das Kassenhäuschen. Zwar ist
der umlaufende offene Arkadengang im Obergeschoss nun mit Fenstern verschlossen, aber mit etwas Phantasie ist die Zeit einfach stehen geblieben und man freut sich auf ein wohliges Wannenbad, ein
Dampfbad mit Massage oder auch ein Wellenbad in Halle I. Und nach dem Badevergnügen könnte man den Waldi aus dem Hundebad abholen.
Nein, das gibt es heute alles nicht mehr: die Badewanne hat man zu Hause, ein moderner Wellnesstempel sollte das alte Bad nicht werden und der Fachkräftemangel beim
Bäderpersonal tut sein Übriges zur Reduzierung des Angebots.
Die ehemalige Männerhalle I ist noch für die Öffentlichkeit geöffnet. Ein Rundbogen-Bau in Wasserblau, Wandweiß und ockerfarbenem Tonnengewölbe. Eine Apsis an der
Flachwasserseite verleiht der Halle etwas Sakrales. Auch die Frauenhalle II bietet eine Besonderheit: das Becken hier hat einen kreisrunden Flachwasserteil, an den sich ein rechteckiger
Tiefwasserbereich anschließt. Hiermit bedachte Architekt Perrey den seinerzeit größeren Anteil an Nichtschwimmerinnen, ohne den Könnerinnen die lange Schwimmbahn zu nehmen. Über dem Rund-Becken
spendet eine bleiverglaste Kuppel viel buntes Sonnenlicht. Und die Volkshalle III? Die hat tatsächlich keine vergleichbaren Stilelemente, ist mit einem niedrigeren Tonnengewölbe ausgestattet und
wirkt hierdurch gedrungener. Dennoch bekam auch das Volk Schmuckfliesen und eine Brunnenplastik.
Leider haben es diese schönen und teils farbenfrohen Zierelemente aller drei Hallen nicht mehr in unsere Zeit geschafft. So steht das Herschelbad zwar seit 2009
unter Denkmalschutz, doch die Baukeramiken im Inneren der Schwimmhalle sind bereits in der Nachkriegszeit entfernt worden. Bilder aus früheren Zeiten sind hier beim Verein ‚Freunde und Förderer des Herschelbades in Mannheim e. V.‘ zu
sehen.
Insgesamt geht das Herschelbad in eine ungewisse Zukunft. Die Restaurierung der Außenfassade konnte 2012 abgeschlossen werden. Die Sanierung im Inneren und vor
allem der Technik des 100 Jahre alten Bades sind jedoch sehr kostenintensiv und konnten bisher von der Stadt Mannheim nicht realisiert werden.
Für das Jahr 2026 ist das Ende des Badebetriebes in U3 angekündigt. Ob es so kommt?
Auf jeden Fall sollte hier vorher noch ein Bad in der Geschichte genommen werden!
Herschelbad Mannheim, U3 1, 68161 Mannheim
