Jugendstilbad



Das Schöne an den historischen Hallenbädern ist ja, dass man fürs Eintrittsgeld nicht nur baden kann, sondern auch noch was für’s Auge bekommt. Diesen Mitnahme-Effekt gibt es auch im Jugendstilbad in Darmstadt. 
Als ‚Städtisches Hallenschwimmbad‘ öffnete die Badeanstalt 1909 ihre Pforten und bot nicht nur zwei Schwimmhallen, Dusch- Wannen- und Medizinalbäder sowie eine Schwitzabteilung; sogar ein Hundebad fürs Zamperl war eingerichtet. Neben dem gesundheitlichen Nutzen sollte der Besuch des Bades auch die Sinne erfreuen. Wo keine hygienischen oder Sicherheitsvorgaben eine funktionale Ausstattung erforderten, wurde mit Dekor an Boden, Wänden und Decken nicht gespart. Behaglich sollte es sein, fand der Architekt August Buxbaum - auf dass das Bad reichlich und gerne von der Bevölkerung genutzt würde! 
Die langgestreckte zweigeschossige Fassade mit den imposanten Mansardwalmdächern weist nur im Mittelteil am einstigen Wasserturm Dekorelemente auf. Der Turm mit der kupfernen Haube überragt das Eingangsportal, kunstvoll aus Sandstein gestaltet mit einer krönenden Plastik: zwei Hüllenlose zeigen an, hier gehts ins nasse Element! 
Auf dem Weg zum Eintritt quert man drei Räume: den Vorraum, die Eingangs- und die Kassenhalle. Alle Bereiche sind mit schönen, jeweils unterschiedlichen Terrazzo-Böden ausgestattet. An den Wänden im Windfang sehen wir sechs Terracotta-Reliefs. Im nächsten Raum schaffen Pfeiler Platz für Nischen mit Bänken; geschmückt sind die in rotbraun gehaltenen Pfeiler mit jeweils einem maritimen Motiv. Auch dieser Raum hat, ebenso wie die beiden anderen eine dekorativ gestaltete Decke mit Zierfries. Ebenfalls sehenswert sind die je unterschiedlich gestalteten Deckenleuchten. 
Nun aber ins heutige ‚Herrenbad‘. Ein Traum aus Wasserblau, dunkelblauen Fliesen und Holzrahmung auf Beckenebene, im Obergeschoss rote Umkleidekabinen; die tonnengewölbte Decke in verschiedenen Helltönen und einem 1m(!) breiten umlaufenden Fries. 
Es gibt also viel zu sehen im Jugendstilbad – eben Jugendstil!
Die zahlreichen, vielgestaltigen und zum Teil farbenfrohen Dekorelemente sind dem damals aufkommenden neuen Kunstverständnis des Jugendstils zuzuordnen. Darmstadt war ein Zentrum dieser kreativen Reformer, angesiedelt als Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, in die Residenz geholt vom damaligen Landesvater, dem hessischen Großherzog Ernst Ludwig. Das Jugendstil-Ensemble Mathildenhöhe ist seit 2021 auch Unesco-Welterbestätte. 
Das heute über hundert Jahre alte Hallenbad wurde 2008 nach Generalsanierung und Restaurierung wiedereröffnet. Anstelle der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Frauenhalle auf der linken Gebäudeseite lädt nun eine weitläufige Spa- und Saunaanlage ein. Im Wellnessbereich gibt es noch weitere restaurierte Räume, die einen Blick wert sind. 
Also: ein Besuch im Jugendstilbad Darmstadt bietet Gutes für Körper und Seele - genau so, wie sich das der Baurat Buxbaum anno 1909 gedacht hat.

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Historische Hallenbäder: Jugendstilbad Darmstadt
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Jugendstilbad Darmstadt, Mercksplatz 1, 64287 Darmstadt